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Bildung und Schule – Des Politikers liebste Priorität

Öffentliche Fraktionssitzung der Freien Wähler

In der vollbesetzten Freizeit- und Bildungsstätte in Serkenrode fand die öffentliche Fraktionssitzung der Freien Wähler statt. Clemens Bernemann stellte in seinem Vortrag verständlich und mit klaren Worten den aktuellen Stand der Landesentwicklungsplans NRW vor. Die strategischen Möglichkeiten auf Basis der aktuellen Gesetzeslage, waren ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Ausführungen. Die lebhafte Diskussion unter Beteiligung der „externen“ Experten Marcus Bruse und Herbert Bartezko zeigte mal wieder ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der Freien Wähler Finnentrop. Hier wird offen und ohne Scheu diskutiert – wie der Name schon sagt, FREI halt.

„Endlich habe ich die Zusammenhänge als Laie verstanden“, war der Kommentar eines Beteiligten als Konsequenz auf den Vortrag von Clemens Bernemann.

Der Vortrag : LEP Windkraft Kopie

Im zweiten Teil der Fraktionssitzung ging es um die Gesamtschule Finnentrop. Nach der Ankündigung der Zusammenarbeit mit der AE Gesamtschule Werdohl ist die Oberstufe nun gesichert. Die Idee, die nach Aussage vom Werdohler CDU-Fraktionschef Stefan Ohrmann aus Werdohl stammt ( klick hier) wird in beiden Schulen ein breitgefächertes Angebot ermöglichen. Da ja nun endlich auch die Forderung der Freien Wählern nach kostenlosen Computern und Wlan in Finnentrop umgesetzt worden ist ( klick hier)  steht einer erfolgreichen Zukunft nichts mehr im Wege. Die Beteiligten waren sich einig, dass alle Gremien gemeinsam im Sinne der Schülerinnen und Schüler die Gesamtschule unterstützen müssen.

Gesamtschule Finnentrop – eine Analyse der Freien Wähler

Gesamtschule: Oberstufe

Vorbemerkung: Die Fraktion der Freien Wähler für Finnentrop hat von Anbeginn angezweifelt, dass in Finnentrop eine Gesamtschule auf Dauer bestehen kann. Nachdem sie jedoch von der Verwaltung und vom Rat ertrotzt wurde, unterstützte die Fraktion der Freien Wähler die Gesamtschule im Rat. So forderte der Fraktionsvorsitzende Christian Vollmert bereits vor Jahren, die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge mit einem Laptop auszustatten und alle Klassenräume ans Internet anzubinden. Darüber hätte man das Profil der Gesamtschule stark unterstützt.

Die derzeitigen Meldungen in den Medien lassen allerdings wenig Gutes für die zukünftige Entwicklung der Gesamtschule erwarten. Die Schülerzahlen sind zu gering, um eine eigenständige gymnasiale Oberstufe zu gewährleisten.

Zu den Fakten und Hintergründen:

Die Mindestzügigkeiten bei Fortführung einer Gesamtschule:

Mindestens vier Parallelklassen pro Jahrgang in der Sekundarstufe I (bis Klasse 10) (§ 82 Abs. 7 SchulG NRW) Ausnahme: Wird diese Mindestgröße unterschritten, kann eine der vorgenannten Schulen fortgeführt werden, wenn sich aus der Schulentwicklungsplanung ergibt, dass dies im Planungszeitraum nur vorübergehend der Fall ist.

Gemäß § 6 Abs. 5 Ziff. 1 VO zu § 93 Abs. 2 SchulG NRW gilt eine generelle Bandbreite von 26 bis 30 Schülerinnen und Schülern pro Klasse, in Klasse 5 von 25 bis 29.

Als mit dem Schuljahr 2012/2013 die Gesamtschule ihren Betrieb aufnahm, befanden sich im 4. Schuljahr aller Grundschulen in Finnentrop 183 Schülerinnen und Schüler. 119 Schülerinnen und Schüler stiegen in die Jahrgangsstufe 5 der Gesamtschule ein. Hierunter befanden sich auch Kinder aus Nachbargemeinden. Dieser Jahrgang geht nun laut Medienberichten mit 32 Schülern in die Oberstufe. Das sind 10 (knapp 24%) weniger als nach dem Schulgesetz (SchulG NRW) erforderlich.

Im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens gem. § 81 (3) SchulG ist die Schulentwicklungsplanung anlassbezogen darzulegen. Hierbei wird ausschließlich auf die eigenen Schülerzahlen und deren Prognosen zurückgegriffen.

Alle Kinder, die im Schuljahr 2021/2022 zum Übergang in die weiterführende Schule anstehen, waren zum Zeitpunkt der Errichtung der Gesamtschule bereits geboren. Schaut man in die Verwaltungsberichte der Gemeinde Finnentrop (www.finnentrop.de) ergeben sich folgende Übergangszahlen:

2018/19          182 Schülerinnen und Schüler

2019/20          149

2020/21          166

2021/22          177

Wenn schon angesichts von 119 Schülerinnen und Schülern des 1. Jahrgangs nur 32 Schülerinnen und Schüler in die Oberstufe wechseln, wie düster sieht das dann in den kommenden Jahren aus? Schließlich sind die Anmeldezahlen der letzten Jahre deutlich geringer (vgl. Medienberichte).

Das hat logische und vor allem vorhersehbare Gründe. Die Verwaltung hat auch weitere erforderliche Eckdaten analysieren müssen, um die Genehmigung für die Gesamtschule zu erhalten:

Erforderliche Eckdaten sind insbesondere die bisherigen Übergangsquoten auf eigene und auswärtige Schulen, das Schüleraufkommen in der Kommune sowie entsprechende Schülerzahlenprognosen für mindestens fünf Jahre ab dem Errichtungsdatum.

Das Bedürfnis im Sinne des § 78 (4) und (5) SchulG für die Errichtung einer Gesamtschule hat nicht nur eine quantitative Komponente (erforderliche Schülerzahl), sondern auch eine qualitative Komponente (Leistungsheterogenität). Eine leistungsheterogene Schülerschaft ist ein wesentliches Strukturelement der Gesamtschule. Zum Nachweis kann das bisherige Übergangsverhalten auf bestehende Gesamtschulen sowie das zu erwartende Schülerpotential aus dem Einzugsbereich der neuen GE zugrunde gelegt werden. (vgl. SchulG NRW)

Nun weiß und wusste jede Bürgerin und jeder Bürger in der Gemeinde Finnentrop, dass Finnentrop umzingelt ist von 5 Gymnasien (2 in Attendorn, 2 in Lennestadt, 1 in Plettenberg) und 4 Realschulen (1 in Grevenbrück, 1 in Attendorn, 1 in Plettenberg und 1 in Eslohe). Diese Schulen wurden immer von Finnentroper Schülerinnen und Schülern besucht und werden es auch weiterhin. Wurde dies hinreichend bedacht, um die qualitative Komponente einer leistungsheterogenen Komponente abzusichern? Oder ist das derzeitige schwache Übergangsverhalten in die Oberstufe die Quittung dafür, dass man seinerzeit durch die rosarote Brille schaute.

Der starke Übergang von Schülerinnen und Schülern aus der Jahrgangsstufe 4 zu Gymnasien ist keine Finnentroper Spezialität, sondern betrug im Schuljahr 2014/15 im Landesdurchschnitt 41,6 %. Im gleichen Schuljahr wechselten im Landesdurchschnitt 22% aller Schülerinnen und Schüler in Gesamtschulen. (www.destatis.de). Da liegt Finnentrop sogar deutlich darüber, weil weder eine Hauptschule noch eine Realschule vor Ort im Angebot ist.

Noch eine wichtige Statistik:

Der Anteil der Schülerschaft mit mittlerem Schulabschluss ist am größten:

2014 erreichten insgesamt 850 700 Schülerinnen und Schüler in Deutschland einen Schulabschluss der allgemeinbildenden Schulen. Der größte Anteil mit fast 44 % beendete die Schule mit einem mittleren Schulabschluss. 33 % schlossen mit der allgemeinen Hochschulreife und 17 % mit einem Hauptschulabschluss ab. (www.destatis.de)

Legt man die Prozentzahl in Höhe von 33% aller Schülerinnen und Schüler zugrunde, die mit einer allgemeinen Hochschulreife ihre Schullaufbahn beenden, so müsste eine Gesamtschule durchgängig in allen Jahrgangsstufen 120 Schülerinnen und Schüler oder mehr aufweisen und das mit einer qualitativen leistungsheterogenen Komponente. Ansonsten werden niemals mindestens 42 Schülerinnen und Schüler in die Oberstufe wechseln. Darum zaubert die Verwaltung nun die Kooperation mit der Gesamtschule Werdohl aus dem Hut.

Aber auch bei diesem Unterfangen sollte die Verwaltung auf die enorme Belastung der Schülerinnen und Schüler durch lange Fahrzeiten bedenken, dass gerade deshalb weitere Schülerinnen und Schüler die Gesamtschule Finnentrop meiden werden.

Auch ein Blick in die dortige Statistik der Gesamtschule Werdohl sollte den analytischen Blick schärfen. Im Schuljahr 2014/2015 hatte die Gesamtschule Werdohl 787 Schülerinnen und Schüler (https://www.it.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2015/pdf/47_15.pdf). Das sind 7% weniger als im Schuljahr davor. Laut Internetpräsenz der dortigen Gesamtschule stehen 35 Schülerinnen und Schüler an zur Abiturprüfung (http://aeg-werdohl.de/category/schulleben/schulinfos/). Nimmt man an, dass sich jeweils 35 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang in der SEK II befinden, so verbleiben im SK I-Bereich dieser Schule 682 Schülerinnen und Schüler, also durchschnittlich 114 Schüler pro Jahrgang. Bei der durchschnittlichen Erreichung der allgemeinen Hochschulreife werden auch dort nie mehr als 35 bis 37 Schülerinnen und Schüler in der gymnasialen Oberstufe zu erwarten sein. So kann man sich durchaus vorstellen, dass Werdohl ein ähnliches Interesse auf Kooperation entwickelt hat.

So werden Schülerinnen und Schülern beider Schulen weite Unterrichtswege zugemutet, um ein interessantes und breiteres Differenzierungsangebot in der Oberstufe anzubieten. Wenn auf beiden Seiten dadurch eine Abschreckung bei Eltern und Schülerinnen und Schülern erfolgt, dass die Anmeldezahlen an beiden Schulen zurückgehen, ist auch diese Kooperation in 6 Jahren gefährdet.

Um was geht es eigentlich – Kaschieren des Versagens oder die Zukunft unserer Kinder?

Womit sich der Rat der Gemeinde Finnentrop am 14.11.2017 beschäftigt ist schlichtweg unglaublich. Die Verwaltung – und vermutlich deren Chef – will sich vom Rat genehmigen lassen, bei Bedarf rechtliche Schritte gegen die Dreizügigkeit der Realschule Grevenbrück einzuleiten. Im Klartext heißt das, dass nicht alle Schüler ihre Wunschschule besuchen dürfen. Was bilden sich diese Menschen ein, Kinder und Eltern die (Realschul)-Bildung und damit die Zukunft zu verwehren. Wie schlimm muss es um die Finnentroper Schullandschaft bestellt sein, dass man auch nur in Erwägung zieht, solche protektionistischen Mittel zu ergreifen.

Hier dieses Papier, die Sitzungsvorlage dieser Gemeinde klick

Stellungnahme der Freien Wähler klick

Freie Wähler stehen für – freien Elternwillen und freie Schulwahl

Stellungnahme der Freien Wähler Für Finnentrop zum TOP 5 der Ratssitzung am 14.11.2017
Nach Auffassung unserer Fraktion sollten Eltern frei wählen dürfen, in welcher Schulform der Sekundarstufe I ihre Kinder beschult werden.

Je vielfältiger das Angebot ist, um so sicherer können Eltern für ihre Kinder die Entscheidung treffen.

Jegliche Einwirkung auf Nachbarkommunen, insbesondere auf Lennestadt, um an der Realschule Grevenbrück die weitere Zügigkeit zu verhindern, grenzt den Elternwillen ein und beschneidet die Wahlmöglichkeiten.

Darum werden wir dem Bürgermeister die mit der Sitzungsvorlage 93/2017 eingeforderte Ermächtigung nicht erteilen, Schritte oder gar rechtliche Möglichkeiten gegen die Genehmigung der Dreizügigkeit an der Realschule Grevenbrück zu unternehmen.

Der Elternwille darf nicht durch politische Entscheidungen eingegrenzt werden.
Wenn der Bürgermeister den Bestand der Gesamtschule als gefährdet betrachtet, so liegt die Verantwortung dafür im Rathaus. Die Abwicklung der Haupt- und Realschule wurde seinerzeit gegen den Willen der betroffenen Lehrerinnen und Lehrern, sowie gegen den Willen der Eltern ertrotzt. Ich darf im Zusammenhang mit der Schuldiskussion an den arroganten Ausspruch erinnern:

„Wenn man einen Sumpf trocken legen will, dann darf man nicht die Frösche fragen!“
Wenn also heute der Bürgermeister von Bestandsgefährdung der Gesamtschule spricht, dann handelte es sich bei der Errichtung der Gesamtschule vor sechs Jahren offenbar nicht um ein bedürfnisgerechtes Schulangebot. Die Fragen, die sich heute stellen (Erreichung der Mindestgröße der Klassen und Schülerzahlen sowie die Erreichung der Mindestzahlen für die gymnasiale Oberstufe) waren nach Auskunft der Bezirksregierung Gegenstand des Errichtungsprozesses der Gesamtschule und diese seien von der Finnentroper Verwaltung positiv beantwortet worden.

Da drängen sich neue Fragen auf. Vor allem diese: War es richtig, Realschule und Hauptschule auslaufen zu lassen? Dieses Angebot war lange Zeit nämlich bedürfnisgerecht und wäre es noch heute.